Der Klimawandel, steigende Ressourcenpreise und neue regulatorische Anforderungen machen Nachhaltigkeit zu einem entscheidenden Thema für Unternehmen aller Branchen. IT und Digitalisierung stehen dabei im Spannungsfeld: Einerseits ermöglichen sie viele nachhaltige Lösungen, andererseits steigt durch den Betrieb digitaler Systeme auch der Energie- und Ressourcenverbrauch. Energieeffiziente Software ist der erste konkrete Hebel, um Digitalisierung nachhaltiger zu gestalten – und ein zentrales Thema auf dem Weg zu einer grüneren IT.
In diesem Beitrag beleuchten wir, wie Unternehmen softwareseitig zur Ressourcenschonung beitragen können, worauf es beim Entwickeln energieeffizienter Software ankommt und wie der gesamte Softwareentwicklungszyklus (SDLC) nachhaltig gestaltet werden kann.

Was ist Green IT?
Nachhaltigkeit ist in der IT angekommen. Der Energiebedarf von Cloud, Rechenzentren und Datenwirtschaft steigt rapide – und damit auch der Druck, nachhaltige Lösungen zu finden. In diesem Beitrag geben wir einen Überblick, warum Green IT für Unternehmen in Deutschland jetzt strategisch wichtig ist, welche Treiber und Herausforderungen bestehen und wie der Wandel gelingen kann.
Green IT steht für umweltverträgliche Produkte und Dienstleistungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik – von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung. Ziel ist die Reduktion von Energieverbrauch, CO₂-Emissionen und Ressourceneinsatz im gesamten Lebenszyklus:
| Phase | Maßnahmen/Beispiele |
|---|---|
| Design | Langlebige, zertifizierte Hardware |
| Nutzung | Energie-/ressourcenschonende Architektur |
| Soziale | Soziale Virtualisierung, Cloud, Standby, papierlos |
| Entsorgung | Recycling, umweltgerechte Entsorgung |
Warum Green IT?
Die Gründe, warum Unternehmen sich mit Energieeffizienz in der IT auseinandersetzen sollten, sind vielfältig. Hier einige Beispiele aus dem Whitepaper »Green IT – Ressourceneffiziente Cloud- und Datenwirtschaft in Deutschland« des Fraunhofer ISST:
- Neun Prozent des deutschen Stromverbrauchs entfallen bereits 2023 auf die Informations- und Kommunikationstechnologiebranche. Die Betriebskosten steigen.
- Bis 2033 wächst der Bedarf auf 72 TWh. Aktuell liegt der Gesamtverbrauch bei 517 TWh.
- Cloud und künstliche Intelligenz treiben den Bedarf zusätzlich in die Höhe, weil sie große Datenmengen verteilt verarbeiten.
- Regularien wie das Pariser Klimaabkommen der EU, das Energieeffizienzgesetz oder die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) setzen Rahmenbedingen für den Energieverbrauch und das entsprechende Reporting fest. CO₂-Reduktion wird Pflicht.
Green IT umfasst sowohl technische als auch organisatorische Maßnahmen, um IT umweltfreundlicher zu machen. Dazu gehören der Einsatz energieeffizienter Hardware und Cloud, optimierte Software (Green Software Engineering), ressourcenschonende Prozesse und Entsorgung sowie der Aufbau nachhaltiger IT-Strategien.
Unternehmen können so nicht nur ihren CO₂-Fußabdruck senken, sondern auch mit einer zukunftssicheren IT-Infrastruktur ihre Betriebskosten senken, ihre Kundenbindung mit einem nachhaltigen Image stärken und gesetzliche Vorgaben (z.B. PUE, CO₂-Reporting, ESG-Richtlinien) erfüllen.
Herausforderungen beim Wandel zu einer grüneren Unternehmens-IT
Die komplette Unternehmens-IT effizienter und nachhaltiger zu machen, ist ohne Frage eine Herausforderung. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Komplexe IT-Landschaften und Multi-Cloud-Szenarien erschweren die Transparenz. Präzise Messungen von Emissionen und Energieverbräuchen sind schwierig. Die Umstellung benötigt Innovation, Know-how und Management-Commitment. Es bedarf einem unternehmensweiten Bewusstsein, Verantwortlichkeiten müssen geklärt und abteilungsübergreifend kommuniziert werden. Nicht zuletzt besteht auch die Gefahr eines Rebound-Effekts: Mehr Effizienz kann auch zu Mehrverbrauch führen, da Effizienzgewinne aufgrund des Nutzerverhaltens nur teilweise wirksam werden, weil Einsparungen an einer Stelle zu Mehrverbrauch an anderer Stelle führen (s. Buhleier, L. et al. (2022) Effizienz und Nachhaltigkeit durch Green-IT: ein systematischer Lite raturüberblick im Kontext der Klimakrise in: INFORMATIK 2022. Gesellschaft für Informatik, Bonn, S. 995–1012).
Folgende Maßnahmen können Unternehmen auf dem Weg zu grünerer IT helfen:
- In der Umsetzung:
- Auswahl von Hardware mit Siegeln (z.B. Blauer Engel, TCO)
- Nutzung moderner, effizienter Cloud-Dienste
- Einführung von Energiemanagementsystemen
- Förderung papierloser Prozesse & Homeoffice
- Fachgerechte Entsorgung/IT-Asset-Management
- Bei der Strategie:
- Integration in die Unternehmensstrategie (z.B. mit SGITAF, Mintzberg 5P)
- Nutzung von Management-Standards wie COBIT 5 für Green IT
- Nachhaltigkeitsmanagement (z.B. GHG Protocol für Emissionsmessung)
- Kontinuierliche Überprüfung und Anpassung
Fazit: Green IT ist mehr als ein Technik-Thema
Green IT ist ein strategischer Hebel für Unternehmen, der ihre Zukunftsfähigkeit stärkt und einen wichtigen Wettbewerbsvorteil – sowohl kosten- als auch imageseitig – bietet. Die Umsetzung nachhaltiger Lösungen muss strategisch sinnvoll und verzahnt geschehen – vom Design der Lösungen bis hin zur Entsorgung von Hardwarekomponenten und »Softwareleichen«. Der Weg zur nachhaltigen, energieeffizienten IT führt über eine interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedenster Teams und Verantwortlichkeiten im Unternehmen.
Leselinks:
- Whitepaper »Green IT – Ressourceneffiziente Cloud- und Datenwirtschaft in Deutschland«
- Projekt »IPCEI-CIS Sustainability-Focused Orchestration in the Edge Cloud Continuum«
- Projekt »FEC-ARRC: Optimierung der Fraunhofer Edge Cloud mit automatischen Empfehlungen für die Ressourcenkonfiguration«
- Whitepaper »AI in New Product Development − Connecting Data and Unlocking Knowledge«
- Bericht »Zukunft industrieller Wertschöpfungssysteme – Sicht deutscher Industrieunternehmen«
- Whitepaper »Data Management under European Regulations – Compliance challenges and solutions for organizations«
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